Fragen und Antworten zum Wildtiermanagement

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Alternativen zur Jagd

15.07.2018 22:58 Frage zu Wildtiermanagement – Was ist das? LauraKnorr

Hallo,

warum wird nicht mit Experten des Nationalparks Genf in der Schweiz und des NP Gran Paradiso in Italien kooperiert, welche die Jagd zum größten Teil eingeschränkt und zum anderen Teil strikt reglementiert haben?

Weshalb gibt es keine Befragungen von Leuten und Besichtigungen derer großen landwirtschaftlich genutzten Gebiete, die aus Gewissensgründen die Jagd auf ihren Grundstücken verboten haben? (z. B. Hof Butenland bei Butjadingen)

Warum wird eine Überpopulation von Großwildtieren befürchtet, obwohl Schulterhöhe und Anzahl der Tiere durch Nahrungsangebot und Lebensraum bestimmt werden?

Ist Ihnen klar, dass die meines Erachtens unnötige Jagd im NP Schwarzwald die Ängste und Befürchtungen der Nationalparkgegner bestätigt oder im schlimmsten Fall gar weiter angeschürt werden und zu einem Imageschaden des Nationalparks führt?

Warum wird nationalistischem Denken nicht Einhalt geboten, etwa bei der Behauptung, dass Deutschland zu klein und dicht besiedelt für Wildtiere wäre, obwohl der ganze gemäßigt klimatische europäisch-asiatische "Gürtel" als ein Großlebens- und Wanderraums für Tiere betrachtet werden muss bzw. ist?

Danke für Ihre Antworten!

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Antwort der Verwaltung

Antwort auf Alternativen zur Jagd

16.07.2018 08:56 ModerationSB Antwort der Verwaltung

Sehr geehrte Frau Knorr,

vielen Dank für Ihre mail. Wie Sie aus unserer Online-Information entnehmen können, ist es tatsächlich unser Ziel, die Jagd auf 75% der Fläche unseres Nationalparks einzustellen. Wir sind davon überzeugt, dass dies möglich ist. Es wird aber nur möglich sein, wenn unsere Nachbarn bei diesem Projekt mitmachen. Hierfür müssen wir schrittweise und im Dialog mit den Nachbarn vorgehen. Wir haben uns in der Tat Schutzgebiete angesehen, die seit vielen Jahren auf eine Bejagung verzichten. Schutzgebiete, bei denen eine Aufgabe der Bejagung funktioniert, zeichnen sich in der Regel durch eine hervorragende Einbindung in das Umfeld aus. Das geht nicht von heute auf morgen. Mit unserem ersten Meilenstein: keine Bejagung auf ca. 30% der Fläche, gehen wir bereits klar und deutlich in diese Richtung. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein schnelleres Voranschreiten nicht klug. Sehr viele unserer Nachbarn haben noch die Zeiten erlebt, als Rothirsche nahezu 100% ihrer Wälder geschält haben. Für einen Waldbauern kann das den finanziellen Ruin bedeuten. Andererseits ist es auch durchaus möglich, eine gewinnbringende Waldwirtschaft zu betreiben unter Einbeziehung von großen Pflanzenfressern. Hier bedarf es noch vieler Aufklärungsarbeit für die Waldbesitzer.

Ein Schutzgebiet, das keinerlei Rücksicht auf die Anrainer nimmt, ist zum Scheitern verurteilt, egal ob in Deutschland, der Schweiz, Afrika oder sonst wo auf der Welt.

Eine Aufhebung der Rotwildgebiete und ein Zulassen von Wildtierwanderungen ist auch in einem sehr dicht besiedelten Land wie Deutschland sicherlich möglich. Hierfür braucht es den politischen Willen und eine sorgfältige landesweite wildökologische Planung auf der Grundlage objektiver wissenschaftlicher Daten. In dieser Hinsicht ist Deutschland sicherlich noch ein Entwicklungsland.