Fragen und Antworten zum Wildtiermanagement

Der Rothirsch in Baden-Württemberg

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Der Rothirsch ist das größte freilebende Säugetier in Baden-Württemberg. Im Nationalpark Schwarzwald ist er der wichtigste Großsäuger. Er ist eine faszinierende Tierart. Rothirsche können allerdings auch beträchtliche Schäden in der Land- und Forstwirtschaft anrichten. Deshalb ist das Vorkommen dieses Wildtieres nur noch in den sogenannten Rotwildgebieten gestattet. In Baden-Württemberg gibt es fünf Rotwildgebiete. Diese umfassen knapp vier Prozent der Fläche Baden-Württembergs. Der Nationalpark Schwarzwald liegt mitten im Rotwildgebiet Nordschwarzwald.

Verlässt ein Tier die gesetzlich ausgewiesenen Gebiete, muss es, laut Gesetz erlegt werden.

Große Pflanzenfresser als Bio-Ingenieure

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Viele Jahre lang wurde der Rothirsch vor allem nur von zwei Seiten aus betrachtet: ein Waldschädling auf der einen und die Krone des Waidwerks auf der anderen Seite zu sein. Dabei wurde völlig übersehen, welche wichtigen ökologischen Rollen der Rothirsch und andere Huftiere wie das Reh oder das Wildschwein spielen. Beweidung, Tritt, Samenverbreitung und Verwesung fördern völlig verschiedene Arten und Artengemeinschaften aus Flora und Fauna und tragen in ihrer Gesamtheit zu einem heterogenen und artenreichen Ökosystem bei (vgl. Deutsche Wildtierstiftung (DeWist)).

 

Aus ökologischer Sicht verursachen Huftiere keine Schäden, sondern Störungen.

Diese Einwirkungen sind als neutraler Begriff zu verstehen und beschreiben die Veränderungen des Bodens und der Vegetation. Rothirsch, Reh und Wildschwein sind damit „Bio-Ingenieure“, also Habitatbildner (Reck et al. 2009).

Durch das Suhlen und Aufwühlen von feuchtem Boden entstehen neue Lebensräume für Wasserinsekten oder Laichplätze für Libellenarten, durch Verbiss buschig und dicht wachsende Bäume, die ideale Nistplätze für viele Vogelarten bieten. Das Fressen junger Bäume kann außerdem insgesamt die Artenvielfalt in einem Wald erhöhen, weil offene Bereiche entstehen, lichtliebende Pflanzen und Tiere gefördert werden.

Auch das Abziehen der Rinde durch Rotwild hat ähnliche Folgen. Spechte hämmern in so geschwächte Bäume gerne ihre Höhlen, auf die wiederum mehr als 50 Tierarten als Nachmieter angewiesen sind. Schließlich transportieren Rothirsche – sozusagen als Spediteure der Artenvielfalt - verschiedenste Pflanzensamen in ihrem Fell, über Kot sowie an ihren Hufen mehr als 100 Kilometer weit.

Während des Äsens nehmen die Rothirsche zahlreiche reife Samen auf, die mit dem Kot wieder ausgeschieden werden. Durch die Nährstoffummantelung erhalten sie einen Startvorteil und damit deutlich höhere Keimchancen. Und schließlich dienen die Kadaver verendeter großer Wildtiere einer Vielzahl von Lebewesen als Nahrung.

Weitere Informationen finden Sie in dem Dokument unterhalb dieses Absatzes.